Eingeladen durch den Kur- und Verkehrsverein Auerbach, stellten sich am Mittwochabend unter dem Dach des Musikpavillons bei erfreulich angenehmen Temperaturen fünf der sechs Bürgermeisterkandidaten den Fragen von Moderator Reinhard Bauß und den rund 200 interessierten Auerbacher Bürgerinnen und Bürger. Ob alle Anwesenden gestandene Auerbacher waren, darf jedoch bezweifelt werden, da Moderator Bauß in seiner Begrüßung den Begriff „Fanlager“ verwendete. Entschuldigt aus der Runde war aus beruflichen Gründen Kandidat Kevin Bösel.

In einer ersten Vorstellungsrunde ging Bauß auf die persönliche Vita der Bewerber ein. Beim 53-jährigen CDU-Kandidaten Carmelo Torre wurden 25 Jahre Kommunalpolitik und fast 30 Jahre berufliche Tätigkeit bei der GGEW als Markenzeichen genannt. Für den gleichaltrigen Kandidat der Grünen Stefan Juchems spreche eine langjährige Verwaltungserfahrung im nordrhein-westfälischen Gesundheitsminister-ium. Dem 46-jährigen Unternehmer Harry Hegenbarth diene seine herausragende Rolle über Jahrzehnte als Kulturschaffender in der Stadt. Als unabhängiger Bewerber und deutlich Ältester in der Runde stellt sich der Maschinenbauingenieur und Bensheimer Stadtverordnete Matthias Penteker zur Wahl, obwohl er als ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter für die AfD dem Kreisausschuss Bergstraße angehört. Der parteilose Justin Arnold, mit 32 Jahren der Jüngste auf dem Podium, stützt sich auf seine Erfahrungen aus Führungspositionen im Einzelhandel und Bankwesen. Ebenfalls parteilos kandidiert der 40-jährige Chemikant Kevin Bösel, der Kinder, Familien und die Innenstadt in den Mittelpunkt seiner politischen Ziele stellt.

Anschließend konfrontierte Reinhard Bauß die Kandidaten mit ihren Plakataussagen. Bei Torre sind dies die plakativen Adjektive „erfahren, zuverlässig, menschlich“. In seiner Antwort wies Torre auf seine kommunalpolitische Erfahrung, seine ortsbekannte Zuverlässigkeit und die von Vielen bei ihm sehr geschätzte Menschlichkeit hin.

Ähnlich verfuhr auch Stefan Juchems mit den Adjektiven „zuhören, verbinden, machen“. Er erläuterte dazu, dass für ihn bei jedem kommunalpolitischen Handeln zuerst das Zuhören, dann das Verbinden der Akteure und davon ausgehend das Machen zu stehen habe.

Harry Hegenbarth wurde von Bauß mit dem Slogan „Bensheim kann mehr“ konfrontiert. Ob dies ein Tadel für Bensheim sei? Hegenbarth verwies in seiner Stellungnahme auf viele Projekte in Bensheim, die mehr oder weniger immer zerredet wurden und teilweise bis heute unerledigt im Rathaus schlummern.

Matthias Penteker falle, so Bauß, damit auf, dass er unterschiedliche Forderungen auf verschiedenen Plakaten platziert habe. So z.B.   „Schluss mit Schulden“, „Grundsteuer B runter“ und weitere. Dies seien doch Forderungen an das Parlament? In der Antwort fiel erneut der Ausdruck „Geldvernichtungsmaschine Bensheim“, für die Penteker nicht nur eine Reihe von Beispielen aufführte, sondern die Parteien im Stadtparlament, mit Ausnahme der BfB, für schuldig erklärte. So mancher Auerbacher fragte sich da insgeheim, was diese Ausnahme zu bedeuten habe, denn waren die BfB nicht irgendwann mal für Bensheims Finanzen als Koalitionspartner der CDU mit verantwortlich.  Auf Lösungsansätze für eine Schuldenvermeidung bei gleichzeitiger Steuersenkung warteten die Zuhörer jedoch vergeblich.

Bei den Kandidaten Justin Arnold und Kevin Bösel vermisse man allerdings Plakate, was, so Bauß, sicher preiswert und umweltfreundlich sei. Arnold gab dazu preis, dass er auf die digitale Karte setze, da er ohne Parteienunter-stützung alles aus eigener Tasche bezahle. Wenig Begeisterung erfuhr er für seinen Hinweis auf die „Auerbächer!“

In einer weiteren Runde versuchte Bauß den Kandidaten mit spezifischen Fragen zu Auerbach auf den Zahn zu fühlen. Die Frage nach dem Datum der Eingemeindung blieb, mit einigen Ausnahmen im Publikum, ebenso unbeantwortet wie die Frage nach Auerbachs letztem Bürgermeister. Dass die Kandidaten mit Fragen „wer ist Friedchen“ oder „wer war Mina Katzenmeier“ erst recht überfordert waren, verstand sich daher am Ende dieser Runde von selbst.

Nach einer Aufzählung besonderer Qualitäten des größten Bensheimer Stadtteils, verbunden mit dem Hinweis, dass trotzdem in der Bevölkerung, in den Vereinen und selbst im Ortsbeirat hin und wieder das Gefühl auftauche, wirtschaftlich wie kulturell im Rathaus nicht angemessen vertreten zu sein, stellte Bauß den Kandidaten die Frage: Wo sehen Sie als Bürgermeister in Auerbach Handlungsbedarf und was werden Sie tun?

Hier vernahmen die Zuhörer viel Gleichklang. Ursache hierfür dürfte der Umstand sein, dass die Kandidaten bereits mehrfach gemeinsam vor Publikum agierten und so ihre Argumente bereits etwas verschlissen haben. Entwicklung des Sannergeländes, Schaffung von Parkraum, Erhaltung des Luftkurortes, Bau einer Mehrzweckhalle in der Weststadt oder auch nicht, Förderung des Ehrenamtes und der Vereine, etc. waren die immer wieder aufgegriffenen Themen.

Die abschließende Fragerunde für das Publikum zeigte Auerbach als Problemfeld für Radfahrer auf und gipfelte in der Forderung, die Wilhelmstraße als reine Fahrradstraße und die gesamte B 3 als Tempo 30 Zone auszuweisen. Auf alle Fragen aus dem Publikum gab es mehr oder weniger richtungsweisende Antworten, selbstredend aber stets unter Hinweis auf die bekannte Finanzlage der Stadt. Die einzig erfreuliche Aussage des Abends lautete übrigens: Die Kreuzung Saarstraße/ Wilhelmstraße wird noch diese Woche wieder frei!

Als bei einbrechender Dämmerung Moderator Dr. Reinhard Bauß den Schlussstrich unter die rd. 100-minütige Podiumsdiskussion zog, machten sich viele Auerbacher sicher mit dem untrüglichen Gefühl auf den Heimweg, zwar wenig Neues und Verbindliches gehört, aber jetzt zumindest eine optische wie einordnende Vorstellung von jenem Mann zu haben, der nach einhelliger Meinung am 30. August in der Stichwahl das Rennen um das Amt des Bürgermeisters in Bensheim, und damit auch für Auerbach, machen wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

toggle icon